
| LAGUIOLE TRADITION UND MODERNE KOPIE ODER ORIGINAL? 1829 begann alles in dem kleinen Städtchen Laguiole im Aveyron, im Süden der Auvergne gelegen. Man lebte von Tierzucht und Landwirtschaft. Die Milchwirtschaft brachte ausgezeichnete Käse hervor wie den „Roquefort“ aus Millau und den „Laguiole“ aus Laguiole. Ausserdem züchtete man kleine Wildrinder mit gewaltigen Hörnern, die wegen ihrer hervorragenden Fleischqualität geschätzt wurden sowie Schafe. Und man lebte vom Handel: Die Auvergnatten waren ausgesprochene Fuhrleute, die in ganz Frankreich Handel mit Kohlen und Wein betrieben. Dies brachten sie in Kontakt mit spanischen Klingen, die sie von ihren Reisen mit nach Hause brachten und ihren Schmieden zeigten. So gelang es Jean-Pierre Calmels 1829 erstmals, den für diese Region typischen kleinen Dolch, die CAPOUCHADOU, in ein bequem klappbares Messer zu verwandeln. Schön, einfach und nützlich - so wurde es schnell für jedermann ein unentbehrlicher Begleiter. Man fügte der Klinge einen Dorn hinzu, den die Rinder- und Schafszüchter zum Anstechen des Darms bei Koliken einen Dorn benötigten, die Fuhrleute ebenfalls, nämlich zur Reparatur des Lederzeugs ihrer Zugtiere. Ebenfalls auf sehr frühe Zeiten geht ein weiteres liebevolles Detail auf dem Griff vieler LAGUIOLE-Messer zurück, das typisch ist für die Religiosität der Menschen in abgelegeneneren Landstrichen Frankreichs: ein aus kleinen Metallstiften in die Griffschalen eingelegtes Kreuz. Es heißt, es diente einst den Hirten, die nachts bei ihren Tieren bleiben mußten dazu, das Messer in den Boden zu rammen, um so vor ihrem Kreuz zu beten. Und auch der Kranz von kleinen Nägelchen um den mittleren „Clou“ ist ein solch christliches Symbol: ein Ersatz für den Rosenkranz! Jedoch setzt Ende des 19.Jhs setzte eine große Landflucht ein. Das Aveyron beginnt zu verarmen und viele Menschen zog es auf der Suche nach Arbeit in die großen Städte und manche in die ganze Welt. Vielen blieb oft nicht mehr von der Heimat als das LAGUIOLE in der Tasche. Aber wo immer man einen Menschen traf, der ein gleiches Messer besass, wusste man sich unter Freunden, half einanderund teilte Brot und Käse.Der Begriff des „passport auvergnat“ entstand. Andere, die nach Paris gezogen waren, schafften es schnell, mit der berühmten Gastfreundschaft und der guten Küche der Auvergne die Hauptstadt zu erobern. Und wo Wein getrunken wird, braucht man einen Korkenzieher. Also wurde den Messern ein solcher hinzugefügt. Das LAGUIOLE wurde so auch in den Städten Frankreichs bekannt und überall zu einem begehrten Objekt. Es wurde iin immer mehr Varianten gefertigt, für das Bürgertum oft auch aus sehr edlen Materialien. Aber bald nach dieser Blütezeit erleidet die Produktion des Messers aus dem durch Armut verwaisten Plateau des Aubrac einen Niedergang. Sie wird in die Industrieregion von Thiers verlagert und vegetiert dort viele Jahrzehnte mehr schlecht als recht vor sich hin. In Laguiole selbst hatte man sich allerdings überhaupt nicht damit abgefunden, daß die Produktion dieses kleinen Messer anderswo auf einem so niedrigem Niveau angekommen war. Man strebte im Gegenteil an: eine Wiederansiedlung der Produktion in Laguiole. Dort, wo ihr einstiger Ursprung liegt. Dieses sollte unter neuen Vorzeichen geschehen und es sollten endlich Qualitätskriterien eingeführt werden. Und natürlich wollte man die wirtschaftlichen Entwicklung der verarmten Gemeinde ankurbeln. Auch sollte Schluß damit sein, daß unter dem noch immer bekannten Markennamen LAGUIOLE Sonnenbrillen, Kugelschreiber und Wackeltiere mit Wackelköpfen verkauft wurden. Eine neue Generation von Messermachern nimmt sich deshalb Mitte der 80er Jahre der Herstellung des LAGUIOLES an. Die Gemeinde Laguiole gründet die Association „Le Couteau de Laguiole“ und legt damit den Grundstein für eine neue Schmiede und für ein neues Gütezeichen: das „LAGUIOLE ORIGINE GARANTIE“. Eine Marke, die für höchste Verarbeitungsqualität stehen soll. Denn alle seinerzeit in Laguiole ansässigen sogenannten „Laguiole-Schmieden“, waren in Wirklichkeit keine „Schmieden“, sondern nur Verkaufsstellen von Firmen, die in Thiers und anderswo produzierten und in Laguiole lediglich Verkaufsräume für ihre Waren, ggf noch mit einer Scheinproduktion, betrieben. Leider ist es auch heute noch oft so, dass ein uninformierter Besucher, der nach Laguiole kommt und von dort sein LAGUIOLE mitnimmt, oft glaubt, er habe ein „echtes“ LAGUIOLE erworben. Häufig hat er aber ein sonstwo zusammengebautes Messer "günstig" erstanden, das mit dem Ort Laguiole nur noch den Namen gemein hat. Möglicherweise dreht man ihm sogar ein „Laguiole“ aus Billiglohnländern an, denn leider ist LAGUIOLE der Name eines Ortes und als solcher, trotz vieler Versuche, nicht schützbar. Die einzige wirklich am Ort ansässige Messermanufaktur ist auch heute noch tatsächlich die "FORGE DE LAGUIOLE". 1987 war so weit: Es wird die FORGE DE LAGUIOLE gegründet und ihre Ateliers werden in Laguiole Auch die vom Departement durch seine Fördermaßnahmen beabsichtigten Ziele, in den völlig verwaisten Landstrichen des Aubrac wieder neue Arbeitsplätze anzusiedeln, waren erfolgreich und viele Besucher des Ortes - wie beispielsweise Joschka Fischer - können sich noch sehr gut an Besuche aus den 70ern und 80ern erinnern, wie verlassen noch damals diese Gegend aussah und was sich daraus durch den (auch internationalen) Erfolg der FORGE DE LAGUIOLE in kurzer Zeit entwickeln konnte. In der Folge wurden noch etliche weitere Firmen gegründet, die dem Erfolg der FORGE DE LAGUIOLE nachzueifern suchten, jedoch wurde keine dieser Firmen in Laguiole selbst angesiedelt. Entscheidenden Anteil am Erfolg und der Glaubwürdigkeit der FORGE DE LAGUIOLE hatte ausser den absolut perfekt arbeitenden Messermachern auch die Einführung des Begriffs „LAGUIOLE ORIGINE GARANTIE “. Dieses Gütesiegel, mit im Ministerium in Paris niedergelegten Kriterien, garantiert die Fertigung eines LAGUIOLES auf höchstem handwerklichem Niveau sowie in traditioneller handwerklicher Herstellungsweise. Es gewährleistet den Ursprung der Messer aus Laguiole und dass alle Bestandteile dieses LAGUIOLES selbst in den eigenen Ateliers hergestellt wurden. Und natürlich auch, dass, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, die Klingen der LAGUIOLES selbst geschmiedet wurden. Denn hier liegt der Hase im Pfeffer. Die meisten "LAGUIOLES" verfügen nicht einmal über geschmiedete Klingen, geschweige denn über selbst in der eigenen Schmiede hergestellte Klingen. Statt dessen wird aus Bandstahl und Blechen gestanzt, geschliffen oder einfach nur zugekauft. Das Gütesiegel „LAGUIOLE ORIGINE GARANTIE“ gestaltet sich wie eine offene Vereinigung, der jede Schmiede beitreten kann, wenn sie denn die dort festgeschriebenen Kriterien erfüllt. Aber außer der FORGE DE LAGUIOLE hat bisher kein Hersteller das Recht erhalten, dieses Qualitätssiegel zu führen. Andere Firmen, die sich später innerhalb dieser Originalregion angesiedelt haben, wären dazu berechtigt. Aber da sie nicht alle Bestandteile eines Laguioles komplett selbst herstellen, bzw. nicht schmieden, bleibt ihnen dieses Qualitätssiegel verwehrt. Anders bei der FORGE DE LAGUIOLE: Dort werden die Klingen geschmiedet, Platinen, Mitres und Ressorts selbst herherstellt. Und darüber hinaus fertigt man auf Wunsch sogar wieder handgeschmiedete und handguillochierte Ressorts für anspruchsvollsten Kunden. Und falls es etwas ganz Besonderes sein soll: einer der Messermacher in der FORGE DE LAGUIOLE ist VIRGILIO MUNOZ. Er ist MEILLEUR OUVRIER DE FRANCE (bester Handwerker Frankreichs) und er fertigt auf Wunsch seine Einzelstücke an. Internationale Sammler nehmen lange Wartezeiten in Kauf, um ein Einzelstück zu erwerben. Aber das Warten lohnt sich, denn schließlich erhält man sein LAGUIOLE mit dem Signet VM als unverwechselbares Einzelstück nicht alle Tage. In diesem Zusammenhang sei auch einmal erwähnt, daß traditionell auch keine Bienen auf den Ressorts sein müssen. Nach herrschender Meinung ist das Messer ist erst dann ein richtiges LAGUIOLE, wenn eine Biene auf dem Rücken ist. Weit gefehlt! Auf den wirklich alten LAGUIOLES findet man alle möglichen Motive, die man sich vorstellen kann und die den Schmieden seinerzeit so gefielen, daß sie ihr Ressort damit schmücken wollten: Stierköpfe, Weinreben, etc und natürlich die Jakobsmuschel. Denn Laguiole liegt auf dem Jakobsweg und die Pilger, die schon seit jeher auf ihrer Reise durch Laguiole kamen, kauften hier natürlich besonders gerne ein LAGUIOLE, welches das Wappen ihres Reiseziels trug, die Coquille St. Jaques von Santiago de Compostella, die auf dem Weg dorthin so manches Wegkreuz und manche Kirche ziert. Erst als das Messer schon zum Massenprodukt geworden war, tauchen massenhaft Bienen (oder sind es Fliegen? Man ist sich da keineswegs sicher!) auf. Und auch dass es die Biene aus Napoleons Wappen sei, die er den Schmieden von Laguiole als Dank für deren Tapferkeit abzubilden erlaubte, gehört eher in das Reich der Legenden. Natürlich gibt es unter Mitbewerbern der FORGE DE LAGUIOLE auch Neider. Denn sie war es, die eine neue Messerbewegung ins Leben gerufen hat und die auf höchste Qualitätsmaßstäbe gesetzt hat. Andere, die später kamen, laufen dem Erfolg immer hinterher und halten sich oft lieber ans zu kopieren, statt etwas Neues, Eigenständiges zu entwickeln. 1992 wurde der FORGE DE LAGUIOLE in Würdigung ihrer Gesamtleistung der PREIS DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFT anläßlich der WELTAUSSTELLUNG in SEVILLA überreicht. Dieser Preis erhielten insgesamt nur drei europäischen Firmen für ihre außergewöhnlichen und innovativen Leistungen. Die Geschichte der LAGUIOLE-Messer recht nun beinahe 175 Jahre zurück. Eine lange Zeit, in der dieses kleine Messer Höhen und Tiefen durchlebt hat, aber alles recht unbeschadet überstanden hat. Trotzdem ist es Zeit für eine Besinnung, denn eine Tradition, die sich nur selbst wiederholt, ohne sich jemals zu verändern, hat meist keinen allzu langen Bestand. Deshalb hat die FORGE DE LAGUIOLE seit ihrer Gründung die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Entwerfern, Architekten und Designern gesucht, also die Zusammenarbeit mit Menschen, die auf besondere und unkonventionelle Weise unser Leben und unsere Umwelt in der Gegenwart gestalten. So geschieht es, daß das althergebrachte Messer aus den Werkstätten der FORGE DE LAGUIOLE seine zeitgemäße Fortsetzung mit zeitgemäßen Entwürfen erlebt. Das LAGUIOLE ist also nicht tot, es lebt und es entwickelt sich weiter.... Hier seien einige herausragende Beispiele erwähnt: PHILIPPE STARCK entwirft 1989 für die ein LAGUIOLE, das 1993 den DESIGN PLUS PREIS anlässlich der AMBIENTE in FRANKFURT erhält.....Außerdem wird dieses Messer in die Sammlung des MUSEUM OF MODERN ART (das MOMA) in New York aufgenommen. YAN PENNOR‘S ( künstlerischer Leiter und Herausgeber verschiedener französischer Zeitungen u.a. Marie Claire, Paris Match etc.) kreiert 1990 das Logo der FORGE DE LAGUIOLE mit dem L wie ein halb geöffnetes LAGUIOLE. Darüber hinaus entwirft er ein Laguiole mit neuen High-Tech-Materialien. Ihm wird im gleichen Jahr der GRAND PRIX FRANCAIS für Objektdesign zuerkannt. ERIC RAFFY (ein international tätiger und renommierter französischer Architekt) entwirft 1992 das Restaurant für den bekannten Koch MICHEL BRAS in Laguiole und ein Messer für die FORGE DE LAGUIOLE. Er erhält 1995 anlässlich des Salons in Atlanta den „BLADE MAGAZINE AWARD“ für innovatives Design. SONJA RYKIEL (eine der Designerinnen aus der Haute-Couture-Szene in Paris) entwirft 1995 ein LAGUIOLE. Es ist das erste von einer Frau entworfene LAGUIOLE. HERMES entwirft ein LAGUIOLE....COURÈGE....EDDY MITCHELL.... Parallel dazu entwickelt die FORGE DE LAGUIOLE einen neuen Typ von Messer: das SOMMELIER....1996 erhält es den DESIGN PLUS PREIS in FRANKFURT. Im Sommer 2001 besuchten die Außenminister beider Länder, Mr Hubert Védrine und sein deutscher Kollege Joschka Fischer gemeinsam die FORGE DE LAGUIOLE (Joschka Fischer erinnert sich dabei an eigene frühere Besuche mit seinem VW-Käfer in Laguiole). Zum Schluß könnte man sicherlich noch den einen oder anderen kleinen Messermacher erwähnen, der irgendwo versteckt kleine Serien oder Einzelstücke in besonderer Qualität fertigt. Dort entstehen manchmal sehr feine und im ursprünglichen Sinne auch „echte“ LAGUIOLES, selbst wenn in diesen Werkstätten selten geschmiedet wird, bzw. Teile zugekauft werden müssen. Es lohnt sich also in jedem Fall, in das Aveyron zu reisen, um Land und Leute kennenzulernen, die unvergleichlich gute Küche der Region zu probieren und den Spuren der LAGUIOLES zu folgen. Und bei so manchem BROCANTE mag man möglicherweise noch ein altes Exemplar von Pagès oder Calmels verborgen liegen... Was rät man aber einem Messerfreund, wenn er fragt, zu welchem Messer er greifen soll? Das Signet der FORGE DE LAGUIOLE, das L wie ein halb geöffnetes LAGUIOLE im Namenszug, die Prägung „LAGUIOLE ORIGINE GARANTIE“ auf der Klinge sind mit Sicherheit eine große Hilfe bei der Auswahl. Doch dann muss man das Messer in die Hand nehmen, seine Verarbeitung prüfen, soll die Eleganz seiner schlanken Linienführung spüren und die Schärfe seiner Klinge, muß man es sanft schließen und den Druck spüren, wenn man es öffnet... Dann wird es ein lebenslanger Begleiter sein! |
Laguiole
Taschenmesser direkt im Ladengeschäft : www.roedter-messer.de
Laguiole Taschenmesser in Scharferladen.de Shop
bestellen : http://www.scharferladen.de/shop